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6. Bundeskonferenz PiA fordert Mitgliedschaft und Rechte in den Landespsychotherapeutenkammern

Ein zentrales Thema der am 20.3.2012 in Berlin stattfindenden 6. Bundeskonferenz der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) war die Forderung nach kostenloser Mitgliedschaft mit aktivem und passivem Wahlrecht sowie Antrags- und Rederecht auf den Delegiertenversammlungen der Landespsychotherapeutenkammern.

In den Landeskammern sind die Zugänge der PiA bisher völlig unterschiedlich geregelt. In Hamburg können PiA bereits von Beginn der Ausbildung eine kostenlose Mitgliedschaft mit aktivem und passivem Wahlrecht erhalten. In Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bremen und Hessen ist dies erst ab Beginn des zweiten Teils der Ausbildung möglich. In Berlin und Rheinland-Pfalz erhalten PiA nur einen Gaststatus ohne aktives und passives Wahlrecht. In NRW, Bayern und der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer können PiA keinen Mitgliedsstatus bekommen.

Warum aber unterscheiden sich die Möglichkeiten zur Mitgliedschaft in den Landeskammern so stark?

Die fehlende Vollmitgliedschaft in einigen Landeskammern geht zum einen auf die fehlenden gesetzlichen Grundlagen in den Heilberufskammergesetzen der einzelnen Bundesländern und ein z. T. geringes Interesse der entsprechenden Gesundheitsministerien zurück, die tatsächlich eine Berufsaussicht und damit Zuständigkeit der Kammern erst mit der Approbation sehen. Dabei vernachlässigen die Ministerien, dass PiA heute zum Teil schon im Klinikjahr, spätestens aber im ambulanten Teil der Ausbildung de facto heilkundlich tätig sind.

Warum zeigen die Landespsychotherapeutenkammern teilweise nur wenige Bemühungen, die Ministerien von einer Einbindung der PiA zu überzeugen?

Einerseits die Kosten. Für die Landespsychotherapeutenkammer NRW würde beispielsweise eine Aufnahme der PiA bedeuten, dass die Anzahl der Kammermitglieder von ca.7000 Kammermitgliedern auf ca. 10.000 Mitglieder steigt. In Berlin und im Saarland wäre dieses Verhältnis wahrscheinlich sogar noch höher. Aufgrund ihres Ausbildungsstatus könnte für die PiA-Mitglieder wahrscheinlich nur ein sozialverträglich niedriger Beitrag erhoben werden, der durch die bereits approbierten Kollegen zumindest teilweise subventioniert werden müsste. Der zweite Grund ist natürlich, dass diese PiA dann auch in den Kammerversammlungen stimm- und wahlberechtigt wären. Dies könnte die Machtverhältnisse in den Kammern unabsehbar verändern, da PiA noch längst nicht in allen Verbänden so eingebunden sind, wie es zu erwarten wäre. Hier bedarf es also dringend eines Dialoges zwischen den Generationen.

Warum fordert die Bundeskonferenz PiA die Mitgliedschaft in den Kammern?

Die Argumente für die Mitgliedschaft in den Landeskammern sind vielfältig. Erstens das Mitspracherecht. Es gibt bisher keinerlei Möglichkeit, sich über problematische Ausbildungssituationen in Kliniken oder auch Ausbildungsinstituten zu beschweren, bzw. auf eine Veränderung hinzuwirken. Nur die Landesprüfungsämter sind dafür zuständig, die mit dieser Aufgabe aber überfordert sind. Zweitens die Informationen über die Berufsaussichten: Bei der Wahl der Ausbildungstherapien müssen Berufsaussichten und Berufsordnung berücksichtigt werden. Drittens wäre durch die Mitgliedschaft auch in schwierigen juristischen Situationen eine Rechtsberatung für PiA möglich. Viertens ermöglicht erst eine Kammermitgliedschaft auch eine Mitgliedschaft in den Versorgungswerken. Aufgrund der Aussicht später ohnehin dort Mitglied werden zu müssen, wünschen sich viele PiA bereits während der Ausbildung, dort einzahlen zu können, da sich eine alternative private Altersabsicherung ausschließlich für die kurze Zeit der Ausbildung nicht lohnen würde.

Aus diesen Gründen sollte sich der gesamte Berufsstand – also PiA-Vertreter, Kammer- und Verbandsvertreter - sich für eine Möglichkeit der Kammermitgliedschaft der PiA, insbesondere in den Bundesländern, in denen dies bisher nicht der Fall ist, stark machen.

Robin Siegel
PiA-Sprecher im VPP/BDP