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Reform des Psychotherapeutengesetzes


Die Diskussion aus aus Sicht der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA)
Die Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) ist derzeit das Thema in der Standespolitik. Denn hier entscheidet sich nicht zuletzt, ob alle Tätigkeiten während der Qualifikation zum Psychotherapeuten endlich angemessen vergütet werden. Die PiA-Vertretung im VPP begleitet den Reformprozess seit Jahren durch die Mitarbeit im Bundesvorstand des VPP, die Beteiligung an den PiA-Politik-Treffen in Berlin und die Organisation von Informationsveranstaltungen an Universitäten im gesamten Bundesgebiet. Der Reform-Prozess hat in den vergangenen Monaten ein rasantes Tempo aufgenommen. Die PiA-Vertretung gibt einen Überblick über die aktuelle Entwicklung und den politischen Herbst.

Was ist bisher passiert?
Im November 2014 befürwortete der 25. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT), das heißt die Delegiertenkonferenz der Landespsychotherapeutenkammern, ein Reform-Modell für die Qualifikation zum Psychotherapeuten, das eine Approbation nach einem wissenschaftlichen Hochschulstudium und eine daran anschließende mehrjährige Weiterbildung in einem der wissenschaftlich anerkannten Therapieverfahren umfasst. Eine solche Angleichung an die Strukturen der Facharztausbildung stimmt mit den Vorüberlegungen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) für eine Reform des PsychThG weitgehend überein.

Vielfalt der Psychologie
Der BDP reagierte auf diesen Beschluss mit berechtigter Sorge um die Integrität des Faches Psychologie und die Vielfalt der heutigen Vertiefungsmöglichkeiten im Masterstudium. Denn wenn Abiturienten zukünftig zwischen einem Psychologie- und einem Psychotherapiestudium wählen müssten, ginge dies unweigerlich zulasten der personellen Ausstattung aller nicht-psychotherapeutischen Lehrstühle. Im Januar 2015 rief der BDP daher die Arbeitsgemeinschaft PsychThG ins Leben, die sich für ein alternatives Reformmodell einsetzt, das auf einem Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie mit umfangreichen Praxisanteilen basiert.

BMG und BPtK geben rasantes Tempo vor
Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und das BMG legen seit dem DPT-Beschluss ein rasantes Tempo vor: Das BMG möchte bis Ende des Jahres die Eckpunkte eines möglichen Approbationsstudiums festlegen, um die Reform des PsychThG noch in dieser Legislaturperiode über die Bühne zu bringen. Die BPtK unterstützt dieses Vorhaben unter anderem durch Befragungen der psychotherapeutischen Berufsverbände zu den jeweils anstehenden Arbeitsschritten. So wurde etwa ein Katalog von kompetenzbasierten Lernzielen aufgestellt, die die Absolventen am Ende eines Approbationsstudiums erworben haben sollten. Problematisch an diesem Vorgehen ist, dass der Umsetzung dieser Lernziele (noch) keine Beachtung geschenkt wird. Ungeklärt sind unter anderem die Fragen: Wer finanziert das nötige Personal für die Vermittlung der Kompetenzen? Wo ist das Studium angesiedelt – in der Psychologie oder in der Medizin? Wer finanziert die Weiterbildungsstellen? Wo ist die Weiterbildung angesiedelt – an den Kliniken oder an den heutigen Ausbildungsinstituten?

Mindestanforderungen aus Sicht von Studierenden und PPT
Bereits auf dem 25. DPT war von einer „Exitstrategie“ die Rede, für den Fall, dass sich die Anforderungen an das Approbationsstudium bzw. an die Weiterbildung als nicht umsetzbar erweisen sollten. Von den roten Linien, die zum Abbruch des Reformvorhabens führen müssten, hört man seither jedoch nur noch wenig. Immerhin befasste sich im März 2015 das 7. PiA-Politik-Treffen (PPT) in Berlin mit der Frage, welche Anforderungen an Approbationsstudium und Weiterbildung aus Sicht der heutigen PiA und der Studierenden bestehen. Dabei wurde auch die Perspektive der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo) diskutiert, die für den Erhalt des Psychologiestudiums in der heutigen Form eintritt. Es entwickelte sich eine kontroverse Diskussion, in der jedoch eine Verständigung erreicht werden konnte, die in den „Anforderungen an die basale Direktausbildung“ festgehalten wurde. Diese Forderungen wurden beim folgenden, dem 8. PPT am 21. September 2015 aktualisiert. Dabei betrachtete man die Fragestellung eines Approbationsstudiums unter Einbeziehung von Informationen über einen psychodynamischen Weiterbildungsstudiengang der medizinischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie das Modell der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) zu einem Studiengang Psychotherapie. Die aktuellen Forderungen werden in Kürze auf der Homepage zum PiA-Politik-Treffen zu finden sein.

Wofür stehen wir?
Aus Sicht der PiA-Vertretung im VPP drängt vor allem die Beantwortung der Umsetzbarkeitsfrage. Das vom DPT befürwortete Reformmodell weist zahlreiche Schwachstellen auf, die für den psychotherapeutischen Nachwuchs sogar zu einer Verschlechterung der Situation führen könnten. Vor allem besteht die Gefahr, dass im Falle einer fehlenden Finanzierung der Weiterbildungsstellen viele approbierte Absolventen ohne jede Aussicht auf eine Weiterbildung stranden werden – als preiswerte Mitarbeiter in der stationären Versorgung. Die PiA-Vertretung setzt sich zudem dafür ein, dass Psychotherapie weiterhin ein Anwendungsfach der Psychologie bleibt – und dass die Qualifikation auch in Zukunft das im heutigen Bachelorstudium der Psychologie vermittelte Grundlagenwissen umfassen muss. Zudem engagiert sie sich für den Erhalt der derzeitigen Vielfalt der Zugänge zur Psychotherapieausbildung. Denn wichtige Impulse im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie stammen aus benachbarten Studiengängen, wie etwa der Pädagogik oder der sozialen Arbeit. Die PiA-Vertretung wird den Reformprozess und die dabei diskutierten Modelle weiterhin kritisch begleiten und aktiv mitgestalten.

Der kommende PiA-politische Herbst und darüber hinaus
Der DPT tagte am 14. November 2015 zum 27. Mal – mit dem Ziel, auf Basis des Katalogs kompetenzbasierter Lernziele einen Rahmen für den ersten Qualifizierungsabschnitt, also das Studium, zu verabschieden. Das 9. PiA-Politik-Treffen wird am 14. März 2016 in Berlin stattfinden. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Links:
Homepage zum PiA-Politik-Treffen
PsyFaKo: Positionspapier zu den Mindestanforderungen an eine Reformierung der Ausbildung zum Psychotherapeuten
7. PPT: Anforderungen an die basale Direktausbildung

Erschienen im Report Psychologie, 10/2015



Martina Reimitz, Dr. Peter Freytag

PiA-Sprecherteam im VPP



Kontakt für Rückfragen:

Verband Psychologischer Psychotherapeuten im VPP/BDP
Am Kölnnischen Park 2
10179 Berlin
E-Mail: freytag@vpp.org