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VPP-PiA Meldungen

Psychotherapie-Ausbildung: Heimliche Lehrpläne zwischen Megafrust und Metakompetenz

Workshop-Kongress versucht politisch psychologische Orientierung  von PiAs

Welche Erfahrungen macht man/frau eigentlich als PiA, als PsychotherapeutIn in Ausbildung? Lassen sich Muster erkennen, die die professionelle Sozialisation des Psychotherapie-Nachwuchses kennzeichnen? Welche Dynamiken zwischen Berufsgruppen beeinflussen die tägliche Arbeit als „PraktikantIn“ in der Klinik - und was hat mein Ausbildungsinstitut damit zu tun? Wo besteht Handlungsbedarf, wo bieten sich Chancen für die Berufspolitik?

Diese und einige andere Fragen beleuchtete eine Veranstaltung für Interessierte, Betroffene und Überlebende der PsychotherapeutInnenausbildung im Rahmen des Workshop-Kongresses „Heimliche Lehrpläne: Politische Sozialisation, Schlüsselqualifikationen und Gefühlsarbeit in Arbeit, Bildung und Gesellschaft“ der Sektion Politische Psychologie am 11.11.2006 in Passau.

Aus der gemeinsamen Selbstanwendung des Kernkonzepts „heimliche Lehrpläne“ schuf der Workshop ein vielseitiges Bild relevanter Aspekte. Diese reichten von der Notwendigkeit der Enttarnung impliziter Agenden in diffuser Normalität bis zur leidenschaftslosen Feststellung, diese seien „nix Positives“, jedoch beruflich erfolgsrelevant.
Nach dem notwendigen, eher kognitiv-intellektuellen Diskurs zu Konzepten von Kontrolle, Macht und Autorität sowie zu Begriffen von Anpassung und Konformität sammelte die Veranstaltung subjektive Erfahrungen aus der PiA-Tätigkeit und schälte alltäglich erlebte heimliche Lehrpläne heraus.
Im Diskurs entwickelten die Workshop-Teilnehmer/innen die folgenden Thesen:

I Eine Reflexion impliziter Agenden während der Therapieausbildung findet wenn überhaupt unsystematisch und unkoordiniert statt.
II Selbstbezug und emotionale Arbeit, wie sie im Rahmen der Selbsterfahrung im therapeutischen Lehrplan vorgesehen sind, führen nicht automatisch zu kollektiven Ansätzen emanzipatorischer Arbeitspsychologie und solidarischer Interessenvertretung.
III Die systematische Ausbeutung von PiAs kann als heimlich bezeichnet werden, ist aber intentional und interessengeleitet.
IV Die materielle Prekarisierung vieler PiAs wird häufig als faktisch alternativlos hingenommen. Ungeschützte Arbeit wird normalisiert, eine soziale Auslese vollzogen.
V Eine politische Selbstorganisation und -vertretung der PiAs, wie sie bisher im VPP verfolgt wird, braucht in der gegenwärtigen prekären Lage eine breite Basis aktiver PiAs.

Aufmerksamkeit fanden im weiteren Verlauf des Workshops die Fragen, wie man arbeitsalltäglich auf heimliche Lehrpläne achten und v.a. wie damit umgegangen werden kann. Häufig werden halb- und illegale Praktiken an PraktikantInnen delegiert, die dann die unklare Situation nicht zuletzt rechtlich klären und sich adäquat verhalten müssen. „Verheimlichung“ in diesem Sinne bedeutet als Agenda für PiAs, Dissonanzen auszuhalten und Dilemmata selbstorganisiert aufzulösen.

Zusammengeführt wurde der Workshop in einer abschließenden Diskussionsrunde zu berufspolitischen Strategien für PiAs.

Dipl.-Psych. Birgit Wiegand
Dipl.-Psych. Jens Hendrik Maier

2.4.2007