zum BDP zum VPP
Startseite:   




VPP-PiA Meldungen

VPP an den Gesundheitsausschuss: Praktische Tätigkeit muss ausreichend vergütet werden

Deutscher Bundestag
An die Mitglieder des Ausschusses für Gesundheit

Sehr geehrte Damen und Herren,
der Verband Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (VPP im BDP) vertritt auch die Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA). Im Zuge der aktuellen Gesetzgebungsverfahren zur Krankenhausfinanzierung möchten wir Sie insbesondere auf die Problematik der sog. praktischen Tätigkeit im Rahmen der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten aufmerksam machen.

PiA nehmen ihre Ausbildung erst nach ihrem Hochschul-Diplom in Psychologie auf, zukünftig auch nach entsprechenden Masterabschlüssen. Sie müssen nach § 5 Abs. 1 Satz 2 Psychotherapeutengesetz (PsychThG) im Rahmen ihrer dreijährigen Vollzeit- oder fünfjährigen Teilzeit-Ausbildung eine mindestens eineinhalbjährige praktische Tätigkeit durchlaufen.  Diese umfasst eine mindestens einjährige Tätigkeit in einer psychiatrischen Klinik mit 1.200 Stunden sowie eine mindestens sechsmonatige Tätigkeit in einer psychosomatischen Klinik bzw. einer anderen vom Sozialversicherungsträger anerkannten Einrichtung der psychotherapeutischen Versorgung mit 600 Stunden.

In den Kliniken führen PiA meist wertvolle und qualifizierte therapeutische Arbeiten durch, ohne dafür eine angemessene Entlohnung zu erhalten. So weist u. a.  die Studie von Busche et al. darauf hin, dass ein Großteil der PiA unterhalb des Existenzminimums lebt. Eine gleichzeitige Beschäftigung zum Erwerb des Lebensunterhaltes ist aufgrund der parallel stattfindenden Ausbildungsbestandteile – die Ausbildung umfasst insgesamt 4200 Stunden – meist nicht möglich. Darüber hinaus besteht kein Anspruch auf andere staatliche Hilfen wie Arbeitslosengeld oder Hartz IV, da die PiA dem Arbeitsmarkt aufgrund der Vollzeitausbildung nicht zur Verfügung stehen. Dies hat letztlich dazu geführt, dass viele Absolventen des Studiengangs Psychologie sich gegen eine Ausbildung entscheiden, da die finanzielle Belastung, insbesondere während der praktischen Tätigkeit nicht zu bewältigen ist. Dieser Zustand ist untragbar, auch vor dem Hintergrund, dass PiA durch die praktische Tätigkeit zu einer spürbaren Entlastung vieler psychiatrischer Einrichtungen beitragen.

Hinsichtlich des aktuellen Gesetzentwurfs der Bundesregierung (Drucksache 16/10807 vom 07.11.2008) haben wir leider feststellen müssen, dass zwar die Finanzierung der Praxisanleitung für Auszubildende in der Krankenpflege und in den Ausbildungsvergütungen für Hebammen und Entbindungspfleger vorgesehen ist, die Finanzierung einer Vergütung der Praktischen Tätigkeit in der Psychotherapieausbildung jedoch nicht. In gleicher Weise wie z.B. die Auszubildenden in der Krankenpflege leisten die PiA im Rahmen ihrer Praktischen Tätigkeit neben ihren Ausbildungsinhalten auch einen Beitrag zur Versorgung der PatientInnen und bringen darüber hinaus noch die Kompetenzen aus ihrem Herkunftsberuf mit ein. Dies sollte entsprechend vergütet werden.

Wir möchten Sie auf die unhaltbaren Ausbildungsbedingungen aufmerksam machen und mit Nachdruck darum zu bitten, den vorliegenden Kabinettsentwurf im laufenden Gesetzgebungsverfahren so zu ändern, dass die Mehrkosten der psychotherapeutischen Ausbildung besser gedeckt werden können. Aus unserer Sicht muss während der praktischen Tätigkeit eine ausreichende Finanzierung möglich sein, welche mindestens die laufenden Lebenserhaltungskosten sowie die gleichzeitig zu tragenden Ausbildungskosten abdeckt. Diese Forderung betrifft und gilt in gleicher Weise auch für die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichen-Psychotherpeuten.

Deshalb unterstützen wir die Forderungen von Dipl.- Psych. Jürgen Tripp, PiA-Sprecher NRW und Vertreter der PiA-AG von ver.di , im Namen weiterer berufspolitischer Vertretungen von PiA aus ganz Deutschland (u. a. auch der PiA-Vertretung im VPP/BDP), dass

"die Kosten der Beschäftigung von Psychologischen PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PPiA) sowie Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in Ausbildung (KJPiA) während ihrer praktischen Tätigkeit nach § 5 Abs. 1 Satz 2 Psychotherapeutengesetz (PsychThG) in Verbindung mit § 2 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische PsychotherapeutInnen (PsychTh-APrV) und der entsprechenden Regelung für Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen (§ 2 KJPsychTh-APrV) in den Ausbildungsbudgets der ausbildenden psychiatrischen Einrichtungen und Einrichtungen der psychotherapeutischen oder psychosomatischen Versorgung und im Ausgleichsfonds zu berücksichtigen (sind), um eine zu vereinbarende tarifliche Vergütungsregelung der Praktischen Tätigkeit zu refinanzieren".

Mit der Bitte um eine zeitnahe, inhaltliche Rückmeldung verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen
Heinrich Bertram
Vorsitzender des Bundesvorstandes

Busche, W., Mösko, M., Kliche, T., Zander, K. & Koch, U.: Die "Praktische Tätigkeit" in der psychotherapeutischen Ausbildung. Eine Akteurs- und Betroffenenbefragung zur Struktur- und Prozessqualität und zur Lage der PiA in diesem Ausbildungsabschnitt. In: report psychologie, 9/2006, 390 – 401